Workshops

Wir freuen uns, Ihnen insgesamt 19 Workshops anbieten zu können, in denen die behandelten Themen weiter vertieft werden. Die Workshops finden am Samstag und Sonntag jeweils nach den Plenarsitzungen in den Räumen der SOWI Innsbruck statt.

Die Teilnahme kostet EUR 50,- pro Workshop, die Anmeldung erfolgt im Zuge der Anmeldung zum Kongress.

Bitte beachten Sie, dass die Teilnehmerzahl bei den Workshops begrenzt ist!

 

 

WORKSHOPS SAMSTAG

17.00 - 19.00| SOWI Innsbruck

WS1

Transgenerationale Gesundheitsaspekte: Risiko- und Resilienzfaktoren bei Weitergabe von Bindungssicherheit (Vertiefung des Vortragsthemas) mit Fokus auf die transgenerationale Bindungsforschung
Anna Buchheim

 

WS2

 

Bindung, Therapie frühkindlicher Traumatisierungen und Programme zur Prävention (Vertiefung des Vortragsthemas)
Karl Heinz Brisch

Die Entwicklung einer sicheren Bindung wird als ein sehr wesentlicher Schutzfaktor für eine gesunde körperliche, psychische und soziale Entwicklung eines Kindes angesehen. Säuglinge und Kleinkinder, die unter den Belastungen von extremem Stress wegen Vernachlässigung, Misshandlung und Gewalt in ihrer biologischen Familie aufwachsen, sind in ihrer gesamten Entwicklung äußerst gefährdet. Im Kindergarten- und Schulalter fallen diese Kinder oft durch extreme emotionale und soziale Verhaltensstörungen auf. Es wird das MOSES-Therapiekonzept zur intensiven psychotherapeutischen Behandlung dieser Kinder sowie deren Veränderungen auf der Verhaltensebene und in der Neurobiologie vorgestellt. Das Präventionsprogramm „SAFE-Sichere Ausbildung von Eltern“ kann die transgenerationale Weitergabe von stressvollen Erfahrungen der Eltern auf ihre Kinder unterbrechen, wie an den Ergebnissen aufgezeigt wird.

WS3

 

Haut und Psyche praxisnah
Uwe Gieler

Im Workshop werden die grundlegenden Konzepte der Psychodermatologie aus dem Vortrag vertieft und die spezifischen Aspekte der Psychodermatologie wie Nähe-Distanz, Berührung, Stigmatisierung, Scham und Ekel anhand von wissenschaftlichen Studien dargestellt.
An einem psychodermatologischen Fall- Quiz werden im interaktiven Verfahren typische Problemfälle vorgestellt und hinsichtlich der Diagnostik und psychosomatischen Dermatologie diskutiert. Hierbei werden die verschiedenen Bereiche der Psychodermatologie: Psychische Ursachen als Hintergrund einer Hauterkrankung, die Krankheitsverarbeitung bei chronisch-entzündlichen Dermatosen und psychiatrische Aspekte von Hautkrankheiten (Dermatozoenwahn, Morgellons) berücksichtigt.
Die Therapiekonzepte zur Behandlung von Körperdysmorpher Störung, Skin Picking und Dermatozoenwahn werden vorgestellt. Konzepte zur Behandlung von Selbstverletzungen werden unter Vorstellung der vorhandenen Leitlinien und Guidelines dargestellt. Schulungsprogramme zur Neurodermitis, Psoriasis und Anaphylaxie werden anhand von Beispielen und mit Demonstration des Manuals und dessen Inhalte demonstriert.
Eigene Fälle können eingebracht und in einer Diskussionsrunde bearbeitet werden. Der Workshop ist interaktiv angelegt, Diskussionen und eigene Erfahrungen können eingebracht werden.

WS4

 

Schmerz als Ausdruck der homöostatischen Selbstregulation des Körpers
Damir del Monte

Eine Passung sucht der Mensch nicht nur in seiner Beziehung zur Welt zu finden. Als eine Art innerer, physiologischer Passung, kann die regulative Balance im Zusammenspiel aller Körperanteile angesehen werden. Das Nervensystem führt alle Elemente zu einem immerwährenden „Selbstdialog“ zusammen. Das nozizeptive System kann als Teil dieses Selbstdialogs, somit als Teil der Interozeption verstanden und Schmerz als „homöostatische Emotion“ (Craig) interpretiert werden. Welche Evidenzen existieren für dieses Modell und stellt es praktische Ableitungen zur Verfügung? Der Workshop möchte diese und andere Fragen beantworten und lädt zu einer neurobiologischen Rundreise durch spannende Hirn- und Körperwelten ein.

WS5

 

Gesundheitsförderung durch Beziehungsgestaltung in der Gruppe, praktisch und philosophisch bedacht
Georg R. Gfäller

Psychische und körperliche Gesundheit oder Erkrankung sind zwei miteinander verflochtene Erscheinungs- und Anschauungsformen von aushaltbaren und weitgehend gelösten oder nicht gut auszuhaltenden oder ungelösten inneren und äußeren Konflikten, wage ich zu behaupten. Philosophisch gründet das zuerst einmal auf Spinoza, der im Gegensatz zu Descartes nicht von zwei voneinander getrennten Substanzen (res extensa – die materielle Welt, z.B. der Körper und res cogitans – die psychische bzw. geistige Welt) ausgeht, sondern von einer einzigen Substanz, deren Attribute die beiden von Descartes benannten Substanzen seien. Im Denken der Psychosomatik, ruhend auf Freud und Adler („Organminderwertigkeit“), später Jung, Groddeck und vor allem Viktor von Weizsäcker, können diese Einheit und die miteinander vernetzten Attribute dieser Einheit mit Meyer-Abich als die genannten Erscheinungs- und Anschauungsformen im Sinne von Selbigkeit beschrieben werden.
Da der Mensch von seiner Natur her ein Herdentier, also ein Gruppenwesen ist, entsteht aus dieser Sicht Gesundheit und Krankheit auch in der gegebenen Vernetzung mit anderen, seinem konflikthaften Mitsein und der Verarbeitung gegebener Widersprüche. Widersprüche entstehen nicht nur durch unterschiedliche Interessen oder Sichtweisen, sondern auch im Umgang mit Ambivalenzen, z.B. im Umgang mit Konflikten zwischen aggressiv-destruktiven und liebevollen Impulsen, sowohl in sich selbst als auch innerhalb der Referenzgruppe (Familie, Freundeskreis, Interessengruppe) und dieser Gruppe mit anderen Gruppen, der Gesellschaft, dem Staat und der Natur.
Es ist somit nicht zufällig, dass in allen psychosomatischen Kliniken vor allem mit Gruppenpsychotherapien gearbeitet wird, auch in der Arbeitswelt haben sich Gruppen als sinnvoll erwiesen. In Gruppenprozessen spiegeln sich die genannten Widersprüche und Ambivalenzen, was bei ausreichend guter Führung in der Regel nicht nur zum Nutzen der Gruppenarbeit führt, sondern auch der Gesunderhaltung der Mitarbeiter/Gruppenmitglieder dient. Die Theorie der Gruppenanalyse geht somit selbstverständlich von gegebenen Konflikten bewusster und unbewusster Art aus, es geht nicht um zwanghafte Vermeidung oder Verdrängung solcher Konflikte, sondern um Aufdeckung zum Zwecke verbesserter und gesundheitsfördernder Beziehungsgestaltung.
Anhand von Beispielen aus Arbeitswelt und Gruppenpsychotherapien, die von Teilnehmern eingebracht werden, können diese Hypothesen überprüft werden.

WS6

 

Überleben und Weiterleben: Sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen und ihre  biografischen Folgen (Vertiefung des Vortragsthemas)
Heiner Keupp

In einem Internat oder in einem Heim oder im familiären Umfeld Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht zu haben, hat erhebliche Auswirkungen auf die gesamte weitere Biografie dieser Menschen. Die Forschung hat gezeigt, dass viele der Betroffenen die erlebten Grenzüberschreitungen bis ins Erwachsenenalter nicht verarbeiten konnten. Es gibt aber sehr unterschiedliche Verarbeitungsformen des erlebten Leids: Von schweren psychosozialen Beeinträchtigungen, positiven Perspektiven durch gelungene Bewältigung, bis hin zur aktiven Handlungsfähigkeit und dem Engagement für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem verdrängten Thema der sexualisierten Gewalt. Ein ausschließlich pathogenetisch ausgerichtetes Erklärungsmodell stößt hier sehr schnell an seine Grenzen.
Der Begriff „Opfer“ ist mehr als angemessen, wenn wir die sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen thematisieren. Aber viele Erwachsene, die ihre eigenen Erfahrungen mit sexuellen Grenzüberschreitungen in ihrer Lebenswelt, in Psychotherapie, in Selbsthilfe-gruppen oder in vertraulichen und/oder öffentlichen Anhörungen bearbeiten, wehren sich gegen die Zuschreibung des Opferstatus. Manche definieren sich als „Überlebende“ oder als „Widerstandskämpfer“ oder betonen ihr persönliches Wachstum. Aus diesem Kreis kommen die Menschen, die begonnen haben, die Schweigemauern um das große Tabu niederzureißen und die beteiligten Institutionen in die Pflicht zur Aufarbeitung zu nehmen.
Auf der Basis von Studien zur sexualisierten Gewalt in kirchlich getragenen und reformpädagogischen Internaten und Erfahrungen in Anhörungen der „Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“, die der Deutsche Bundestag eingesetzt hat, werden die Überlegungen dieses Vortrags entwickelt.

WS7

 

Praxisworkshop: Die Maly-Meditation - Hintergrund und Anwendung
Wolfgang Maly

Wenn Menschen eine schwere Krankheit ereilt, ist ihr soziales Umfeld betroffen: die Familie und Freunde.
Verlustängste und Ohnmachtsgefühle machen sich breit. Vielen Angehörigen fällt es schwer, über ihre Nöte zu sprechen, weil sie den Kranken nicht belasten wollen.
Die Maly-Meditation hilft, die Mauer des Schweigens und der Isolation zu überwinden. Die Methode basiert auf traditionellen Heiltechniken: Das Gebet, die Meditation, das Auflegen der Hände, Suggestion und Visualisierung. Anders als die meisten Meditationsformen ist die Maly-Meditation als Partner- und Familientherapie konzipiert. Die Angehörigen meditieren mit dem Patienten, legen gemeinsam die Hände auf, beten für ihn und visualisieren Heilung. Dieses Miteinander erleichtert alle Beteiligten, weil man gemeinsam etwas für die Heilung oder Linderung tun kann und gemeinsam daran glaubt. In diesem Feld der Liebe können sowohl die Patienten als auch ihre Angehörigen Kraft und Hoffnung schöpfen, die sie bitter nötig haben. Gleichzeitig entsteht eine wohltuende und heilsame Nähe.
Im Workshop erläutert Wolfgang Maly, der Begründer der Maly-Meditation, die Genese der Methode und seine Erfahrungen. Dann führt er die Teilnehmer in die Technik ein und meditiert mit ihnen.

WS8

 

Die Behandler-PatientInnen-Kommunikation und deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Kommunikationspartner
Birgit Hladschik-Kermer

Der Aufbau einer tragfähigen Behandler*in-Patient*in-Beziehung ist essentiell für jede gesundheitsfördernde Maßnahme.
Die Auswirkungen einer gelingenden Beziehung sind vielfältig und gut beschrieben. Eine tragfähige und empathische Arzt-Ärztin-Patient*in-Beziehung fördert die Adhärenz, reduziert unnötige Untersuchungen, fördert den Heilungsverlauf und trägt zu einer besseren Lebensqualität von Patient*innen und Ärzt*innen bei. (Überblick in Kurtz et al. 2004)
Die Forschung zeigt, dass die Qualität der Beziehung auch einen nachweisbaren Effekt auf das Immunsystem haben kann (Yang et al., 2018), sowie auf die Schmerzreduktion und Optimismus (Canovas et al., 2018)
Im Workshop werden wir uns der Bedeutung des Aufbaues einer tragfähigen Beziehung widmen. Wir erarbeiten, welche kommunikativen Fertigkeiten für den Aufbau einer tragfähigen Beziehung wichtig sind und wenden diese im Rollenspiel mit einer Simulationspatientin an. So werden die Auswirkungen des eigenen Verhaltens unmittelbar erlebbar. In lockerer Atmosphäre können Beziehungsaufbau und Umgang mit Emotionen spielerisch ausprobiert werden. Die Schauspielerin gibt Feedback dazu, was das Beziehungsangebot bei ihr ausgelöst hat und welche alternativen kommunikativen Angeboten eventuell hilfreicher gewesen wären.
Das Ziel des Workshops ist, dass die Teilnehmer*innen konkrete praktische Erfahrungen machen können, die sie unmittelbar in das eigene (Berufs-)leben übertragen können.

   

WS9

Pränatales (Er)Leben – wie die Zeit vor der Geburt unseren Körper, unsere Psyche, unser späteres (Er)Leben prägt
Gerda Kosnar-Dauz

Vor etwa 150 Jahren ist Sigmund Freud ein Geniestreich gelungen.
Davor mussten Mann und Frau ihre eigene Kindheit schlicht und einfach nur überleben, um dann das richtige Leben leben/ erleben/ oder eventuell eben auch nur überleben zu können.
Sollte man sich dabei eine psychische Erkrankung – bleiben wir bei Freuds Spezialgebiet der Neurose – zugezogen haben, so blieb einem diese meist lebenslang erhalten. Wir könnten auch von einer chronischen Erkrankung sprechen.
Freud erkannte nun, dass die frühe Kindheit keineswegs einfach nur zu überleben und ansonsten egal ist, sondern dass Erlebnisse aus dieser Zeit – speziell aus dem vorsprachlichen Zeitraum – sehr wohl Auswirkungen auf (psychische) Gesundheit und (seelisches) Wohlbefinden im Erwachsenenalter haben. Wir sprechen von Prägung.
150 Jahre später ist es nun so, dass eine noch frühere Zeit in der menschlichen Entwicklung - die Zeit des ungeborenen Kindes und das geboren werden selbst, die Geburt - zwar bereits deutlich in den Fokus gekommen sind, allerdings nahezu ausschließlich aus medizinscher Sicht betrachtet werden.
Wir besitzen mittlerweile ein recht umfangreiches Wissen über teratogene Effekte von Medikamenten oder Umweltgiften, also darüber, welche (körperlichen) Schäden diese Substanzen am und im ungeborenen Kind verursachen können.
Ebenso wissen wir über die Auswirkungen von Sauerstoffmangel während der Geburt Bescheid.
Was aber wissen wir über das psychische Erleben des ungeborenen Kindes?
Über die Auswirkungen des psychischen Erlebens der schwangeren Mutter auf das ungeborene Kind?
Hat die Art und Weise, wie wir (pränatal) heranwachsen und wie wir schlussendlich geboren werden Auswirkungen auf unser späteres (Er)Leben? Körperlich? Psychisch? Seelisch?
In diesem Workshop widmen wir uns dieser so bedeutsamen und doch immer noch über weite Strecken geheimnisvollen Zeit.
Wir werden in erstaunlichen Aha-Momenten eigene (prä- und perinatal erworbene) Muster und Prägungen erkennen und ebenso lernen, erste Hinweise in und an unseren Klienten – sowohl Erwachsenen wie auch Kindern – zu erkennen.

WS10

Inside Cancer – Posttraumatisches Wachstum, Psychotherapie und Krebsüberleben
Elmar Reuter

Der mit Krebserkrankten arbeitende Psychotherapeut begleitet Betroffene durch drei Räume.
Den der Krankheit, den des Lebens und durch den spannendsten, den Raum von Wandel und Veränderung. Anhand eindrucksvoller und berührender Fallvorstellungen wird eine PNI assoziierte Langzeit-Psychotherapie beschrieben, die spezifische Eigenschaften stärkt und wesentliche Beziehungen intensiviert. Dazu bedeutsame Themen von Betroffenen bedient, die die Kehrseite des Traumas erreichen und dabei eine partielle oder dauerhafte Remission ihrer schweren Krebserkrankung erleben. Dabei geht es um das SELBST als dem Dirigenten des Abwehrorchesters und der Kerninstanz nachhaltiger Lebenskraft. Die Stärkung des "kohärenten Selbst" (Antonovsky) braucht als Nahrungsmittel den persönlichen Lebenssinn und die unterstützende Resonanz des Gegenübers beim allmählichen Verstehen der Krankheit und im Umsetzen der dann fälligen Lebensgestaltung.
Wie die Würdigung des stets Persönlichen (Storytelling/SKT) im Rahmen einer größeren Psychoonkologischen Schwerpunktpraxis gelingen kann und welche Anforderung an die Beziehungsfähigkeit des Therapeuten gestellt wird, ist ebenso ein Schwerpunkt der Veranstaltung.
Lit.: Reuter, E., Haarhoff, G., Malzon-Jessen, Y. (2020) Mehr Jahresringe als erwartet. Überlebensgeschichten nach schwerer Krebserkrankung. Schattauer

 

 

 WORKSHOPS SONNTAG

16.15 - 18.15 | SOWI Innsbruck

WS11

Traum(a)partner: Biographisch verankerte Verletzungsmuster in der paartherapeutischen Praxis (Vertiefung des Vortragsthemas)
Susanne Pointner

In Ergänzung zum Vortrag Traum(a)partner werden im Rollenspiel Opfer- und Täterintrojekte sowie täterloyale Anteile und Helferimpulse in der Paarbeziehung reflektiert und auf die eigene private und/oder berufliche Lebenswelt übertragen. Methodische Schritte zur Arbeit mit den jeweiligen psychodynamischen Mustern werden kurz umrissen. Ein Spot wird auch auf die tieferliegende Sehnsucht und Wertorientierung in Partnerschaften als wertvolle Resilienzfaktoren gerichtet.

WS12

Beziehungskultur und Führung im Gesundheitswesen
Ellis Huber

Das Gesundheitswesen mit seinen Organen, Institutionen und Verbünden leidet unter der Diktatur von Bürokratie und Kommerz. Die aktuelle Sozialsklerose der Begegnungskreisläufe und Beziehungsgeflechte sucht nach Transparenz, Offenheit und Vertrauen. Die Führung des Systems und der Subsysteme muss Machthierarchien abbauen lernen und eine Kultur der Kooperation entfalten, die Freiheit mit sozialer Verantwortlichkeit verbindet.
Zunehmend wächst in Wirtschaftsunternehmen die Einsicht, dass reines Profitstreben allein keine Daseinsberechtigung begründet. Die Gesellschaft verlangt, dass Firmen einem gesellschaftlichen Zweck folgen, predigen die Wirtschaftsberater. Sie sprechen von „Purpose“: Menschen ebenso wie Unternehmen müssen einen Sinn besitzen und einem höheren Zweck dienen.
Die Psychoneuroimmunologie lehrt der Gesundheitswirtschaft und der Heilkunde, dass eine Führung nach den Prinzipien lebendiger Systeme heilsam wäre. Vertrauensbasierte Kooperationsbeziehungen unter den beteiligten Akteuren öffnen die verstockten Kreisläufe: Selbstorganisation, Ganzheitlichkeit und Sinn oder Werte als Maßstab sind konkret umsetzbar. Der Workshop stellt Modelle der Praxis vor und gibt Anregungen für eine Gesundheitsversorgung, die allen wieder Freude machen kann.
   

WS13

Die verschiedenen Phänotypen der Einsamkeit und Interventionsmöglichkeiten
Karl-Heinz Ladwig

Der Workshop bietet die Gelegenheit, die Phänotypen der Einsamkeit über die gesamte Lebensspanne hinweg genauer bestimmen zu können und der Frage nachzuspüren, welche Konflikte und Lebensereignisse Menschen typischerweise in die aussichtslose und (scheinbar) unentrinnbare Situation der Einsamkeit gebracht hat. Ein tieferes Verständnis für diese psychopathologischen Verwicklungen sind ein wichtiger Schlüssel für psychotherapeutische Hilfsangebote. Aber auch unterhalb der Schwelle einer Psychotherapie, bieten sich im medizinisch-therapeutischen Kontext eine Reihe von Interventionsmöglichkeiten an, wie insbesondere älteren einsamen Menschen geholfen werden kann, ohne das enge Zeitbudget einer hausärztlichen Praxis oder einer Apotheke unrealistisch zu sprengen. Hierzu gehört auch die Frage nach den Warnzeichen der Einsamkeit, der Frage, wann Einsamkeit im Jahresverlauf besonders schmerzt und ob und wann das Suizidriskio bei betroffenen Menschen erhöht ist.

WS14

Das offene Ende: Wie wir altern und sterben wollen - Biographiearbeit in der Praxis
Thomas Macho

Im angebotenen Workshop sollen Erfahrungen der Begleitung und des Umgangs mit Menschen in hohem Alter und mit den Prozessen des Sterbens ausgetauscht und reflektiert werden. Dabei soll es vor allem um methodische Aspekte gehen, also etwa um die Fragen, wie, wann und unter welchen Umständen gute Gespräche gelingen, wie Routinen und besondere Situationen in eine Art von Balance gebracht werden können, wie das bevorstehende Ende des Lebens sinnvoll integriert und wahrgenommen werden kann. Ein Schwerpunkt wird auf biographische und autobiographische Arbeit gelegt, wie sie etwa Swantje Goebel in ihrer biographieanalytischen Untersuchung „Die eigene Sterblichkeit im Blick“ (2012) geleistet hat.

WS15

The operation of the neuro-endocrine-immune network in models of disease (Workshop wird in Englisch abgehalten)
Adriana del Rey

Interactions between the nervous, endocrine, and immune systems often result in regulatory effects or in the reciprocal modulation of their functioning. This neuro-endocrine-immune (NEI) network can be set in motion at different levels, for example by the primary stimulation of the immune system with innocuous antigens (i.e. antigens that trigger an immune response without harmful consequences for the host), or by stressful events that can affect the response to a subsequent immune threat. A most challenging aspect in this field of research is the relevance that NEI circuits might have during certain diseases. In pathological conditions, the proper operation of the NEI network can be protective for the host. Alternatively, defective or deficient interactions, for example the inability to adequately increase glucocorticoid levels or the disappearance of neural connections, thus impeding the operation of significant NEI interactions, can contribute to aggravate a disease. A clear example in which the successful functioning of the network results in protective effects is experimental autoimmune encephalomyelitis, an animal model of multiple sclerosis. Conversely, a model of systemic lupus erythematosus can illustrate a situation in which the operation of the network is defective, a failure that contributes to exacerbate the disease. Depending on the interest of the participants, other models, such as parasitic infections or rheumatoid arthritis, could also be discussed at this workshop.

WS16

Prozessmonitoring in Therapie und Beratung – Wie lässt sich das Verhältnis von interpersonellen und psychischen Prozessen darstellen?
Günter Schiepek

Neue Methoden des Prozessmonitorings, z.B. das Synergetische Navigationssystem, bieten mehrere Möglichkeiten, den Prozess interpersoneller Beziehungen abzubilden. Persönliche Prozesse können in ihrer interpersonellen Synchronisation dargestellt werden und die gegenseitige Wahrnehmung von Gruppen-, Familien- oder Team-Mitgliedern lässt sich in sog. Interaktionsmatrizen visualisieren. Die Prozessreflexion ist eine intensive Form der Beziehungsgestaltung, welche einerseits eine vertrauensvolle und offene Kommunikation fördert, und andererseits Veränderungs- und Entwicklungsprozesse katalysiert. Anhand von Fallbeispielen wird die Arbeit mit dem Prozessfeedback illustriert und auch veranschaulicht, wie eine Arbeit auf Augenhöhe persönliche Entwicklungsprozesse ermöglicht.

WS17

Vertiefung des Vortragsthemas und detaillierte Darstellung des Ansatzes der integrativen Einzelfallstudie
Christian Schubert

Das Konzept und Design der integrativen Einzelfallstudie als biopsychosozialer Forschungsansatz wird detailliert vorgestellt. Die integrative Einzelfallstudie verbindet qualitative (Interview, Rating) und quantitative (lineare und nicht-lineare Zeitreihenanalyse) Methoden. Im Rahmen dieses interaktiven Workshops sollen Teilnehmende die Möglichkeit erhalten, die Durchführbarkeit eines paradigmatisch erweiterten wissenschaftlichen Vorgehens für die eigene Forschung und Praxis auszuloten.

WS18

Reflective Parenting – Beziehung von Beginn an
Miriam Haagen

Aus verschiedenen psychologischen Forschungszweigen, die sich mit Elternschaft beschäftigt haben, wird das Reflektieren (reflective function) als besonders hilfreich angesehen. Wenn Eltern emotional präsent sind und sich in die Innenwelt ihrer Kinder hineinversetzen können, dann entwickeln sie eine Vorstellung davon, wie sie selbst auf ihr Kind wirken. Das hat einen enormen entwicklungsfördernden Effekt. Das konsequente und angemessene Beantworten der emotionalen Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen führt dazu, dass die Kinder tiefes Selbstvertrauen und soziale Kompetenz entwickeln. Die so beelterten Kinder wachsen heran und lernen sowohl mit ihren eigenen starken Emotionen umzugehen wie auch mit denen anderer Menschen. Das kommt ihrer biopsychosozialen Gesundheit zu Gute.
Wie können Eltern verstehen, was in ihren Kindern vorgeht? Wie kann ihnen von Ärzten, Psychotherapeuten oder Beratern geholfen werden, sich in ihre Kinder hineinzuversetzen, statt nur ihr äußerliches Verhalten zu regulieren? In dem Workshop wird das Konzept des Reflektive Parenting und des Mentalisierens mit Eltern vorgestellt. Mit den Teilnehmenden wird diskutiert, wie diese Konzepte in die verschiedenen Praxisfelder integriert werden können.

WS19

Die Folgen häuslicher Gewalt auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen
Thomas Beck

Untersuchungen der WHO folgend, ist rund jede dritte Frau in ihrer Beziehung mit Gewalt konfrontiert. Beginnend mit der ACE-Studie (Felitti et al. 1998) und weiteren folgenden Studien wurden klare Zusammenhänge zwischen dem Erleben von Gewalt und Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit der Betroffenen nachgewiesen (z.B. Brown et al., 2009; Bellis et al., 2015). Trotz dieser klaren Hinweise und der unumstrittenen Schlüsselposition des Gesundheitswesens in der frühen Erkennung von Gewaltbetroffenen ist genau diese leider immer noch ein „blinder Fleck“ in der medizinischen Versorgung.
In diesem Workshop werden theoretische Grundlagen zum Thema „häusliche Gewalt“ vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Schwierigkeiten medizinischen und therapeutischen Setting, einen Verdacht zu thematisieren, gelegt. Mit Hilfe von Videobeispielen soll die spezielle Situation von Betroffenen dargelegt und Hinweise zur Gesprächsführung vermittelt werden.

 

     

 

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